09.10.2011 Dr. Bullmovers Tagebuch

Dr. Bullmover's Tagebuch - Eintrag vom 9. Oktober 2011

2. Spieltag der Starkenburger Vereinsmannschaften

Am Sonntag, den 9. Oktober 2011 war ich für meinen Verein SV Griesheim mit der dritten Mannschaft in der Kreisklasse A zugange. Ich gewann meine Partie problemlos. Nach einem Figurenopfer für dreiBauern war mein Gegner trotzdem chancenlos, weil seine Stellung ohnehin positionell schlechter war. Am Ende stellte er einen Turm ein.

Nachmittags schaute ich im Forstmeisterhaus der 1. Mannschaft des Schachforums zu und möchte sagen, dass dies dann doch spannender und auch schachlich gehaltvoller war. Wenngleich das Endergebnis nicht danach aussieht, so muß doch der Chronist festhalten, daß Schachforum überlegen gespielt hat. Dieses Ergebnis meiner Betrachtung ergibt sich aus den gespielten Partien selbst nicht aus deren Ergebnis. Philippe Baldy, Uwe de Reuter, Wolfgang Ebert und Bernd Seehaus haben ihre Gegner allzu überzeugend niedergerungen. Auch Roßdorf konnte in den siegreichen Partien einigermaßen überzeugen, aber der volle Glanz der Gastmannschaft hat mir gefehlt. Freilich hat das Mädchen an Brett 3 das Endspiel gegen Steve Schiffer sehr gut gespielt und mehr als verdient gewonnen. Carsten Held hatte Frank Sawade einen Bauern abgerungen und ihn dann überspielt. Matthias Eck verlor unglücklich, aber – ich muß es sagen – zu Recht. Am Ende schickte er König und Turm in eine Springergabel. Die letzte Partie an diesem Tag war jene von Ralf Rechel, der den halben Punkt zum Mannschaftssieg beisteuerte.

 

Zunächst ging Schachforum mit dem folgenden Sieg in Führung.

Baldy,Philippe - Meyer,Christian
Nimzowitsch-Indische Verteidigung [E20]

Verbandsliga (2.2), 09.10.2011

[Klamp,Christoph]

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.f3 Eine spielbare, aber nicht die beste Alternative an dieser Stelle. 4...b6?! Ich wage es, diesen Zug als fragwürdig einzuordnen. Schwarz sollte umgehend im Zentrum aktiv werden. daher speilen starke Spieler an dieser Stelle vornehmlich 4...d5! 5.e4 d5? Ein eklatanter Fehler. Wir sahen einen vergleichbaren Fehler in der letzten Saison der 1. Bundesliga. in der Partie Murdzia, - Swinkels 1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nf3 b6 4. Nc3 Bb4 5. Bg5 Bb7 6. Nd2 h6 7. Bh4 Nc6 8. e3 d6 9. Qc2 e5 10. d5 Nb8 11. Qa4+ Nbd7 12. Bxf6 Qxf6 13. Qxb4 Qg6 14. Qa4 1–0Freilich kann man auch noch weiter in der Geschichte zurückgehen, aber dann muß man mehr Züge nachrücken! Die Diagonale a4-e8 wurde schon in Sämisch - Capablanca, Karlsbad 1929 stark geschwächt. 6.Da4+ Nach diesem Zug ist die Partie vorbei ohne richtig begonnen zu haben. 6...Sc6 7.cxd5 Sxe4 8.fxe4 Dh4+ 9.Kd1 Df2 10.Sf3 1–0



Beachtenswert ist auch der Sieg von Wolfgang Ebert. Im 23. Zug sah ich die Gabel mit Sc2 ohne sehr tief zu rechnen. Wolfgang rechnete alles durch und war sich am Ende bei der Abschätzung der Stellung nicht sicher. Allerdings kann seine Berechnung an der ein oder anderen Stelle verbessert werden.

Winkler,H - Ebert,Wolfgang
Königs-Indische Verteidigung [E63]

Verbandsliga Hessen (2.5), 09.10.2011

[Klamp,Christoph]

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.g3 0–0 5.Lg2 d6 6.Sf3 Sc6 7.0–0 a6 8.h3 Tb8 9.e4 b5 10.cxb5 Andere Großmeister spielen 10. e5, aber Morozevich hat 13.cxb5 gespielt - dann kann es doch nicht schlecht sein. 10...axb5 11.a3?! Ein mittelmäßiger Zug, mit dem Weiß die Initiative abgibt. Besser sind 11.Te1 oder 11.e5. 11...b4 12.axb4 Sxb4 13.Te1 Sd7 14.Le3 c5 Die Stellung ist schon gespielt worden. 15.b3?N Diesem Zug darf man als Kommentator ruhig ein Fragezeichen geben, denn er bringt überhaupt nichts. 15...cxd4 16.Lxd4 Lxd4 [Nach 16...Se5 17.Sxe5 Lxe5 18.Lxe5 dxe5 19.Dxd8 Txd8 ist die schwarze Stellung vorzuziehen, wenngleich es noch ein weiter Weg zum Sieg ist.] 17.Sxd4 Sc5 18.Te3 Lb7?! [18...e5!? 19.Sdb5 (19.Sc2 ist nicht möglich wegen Bauernverlust.; 19.Sf3 läuft in einen Zentrumsangriff beginnend mit 19...f5 hinein.) 19...La6 20.Lf1 Dd7 21.Ta5 Tb6 22.Lc4 Tfb8 23.Df1 Es sieht so aus als könne Weiß alles decken ... 23...Kg7 24.Tf3 f6 ... aber Schwarz ist klar besser, weil er sich auf d4 einnisten kann und weiterhin Druck am Damenflügel hat.] 19.Kh2 [Anstelle des Textzuges war Aktivität mittels 19.Sd5 erforderlich.] 19...Se6 20.Sxe6 fxe6 Die Stellung befindet sich im Gleichgewicht. 21.Dd2 Lc6 22.f3 Db6 23.Se2? e5?! [23...Sc2 24.Dxc2 Dxe3 25.Dxc6 Dxe2 26.Dd7 Kf7 27.Ta7 Tfe8 28.Dxd6 Tbd8 (28...Txb3 Dies hat Wolfgang in der Vorausberechnung offensichtlich nicht gesehen. jedenfalls ist er darauf in der Post-Mortem Analyse nicht eingegangen. 29.Df4+ Kg8 Schwarz hat die Qualität mehr und Weiß hat dem Übergewicht nichts entgegenzusetzen.) 29.Txe7+ Txe7 30.Dxd8 Ta7 31.Dd4 Ta2 32.Dg1÷ Ebert] 24.Tc3 Ld7 25.Tac1 Tbc8 26.Txc8 Txc8 27.Txc8+ Lxc8 28.Sc3? Dd4 29.Sb1 Dc5 30.Lf1 Le6 31.Db2 De3 32.Sd2? Df2+ 33.Lg2 Sd3 34.Da2 und gleichzeitig aufgegeben wegen Matt in vier Zügen. 0–1

Der eine oder andere Ebertsche Zug mag in der Computer unterstützten Analyse eine Verbeserung finden, und vielleicht mag man deshalb nicht an einen souveränen Sieg glauben. Gleichwohl bezeichne ich seinen Sieg als überlegen, weil er keine offensichtlichen Fehler beging.

Soweit meine Betrachtung vom Wettkampf der 1. Mannschaft des Schachforums.

Christoph Klamp

 
 
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